Klarheit fehlt nicht — sie verblasst.
Es gibt diesen Moment,
in dem alles eigentlich schon da ist.
Die Worte.
Die Richtung.
Das Gefühl dafür, wie es sein könnte.
Und trotzdem passiert nichts.
Nicht, weil es fehlt.
Sondern weil etwas dazwischen liegt.
Etwas Leises.
Etwas, das sich kaum greifen lässt.
—
Sie denkt,
sie müsste es nur noch klarer machen.
Noch einmal drüber schauen.
Noch einmal sortieren.
Noch einmal prüfen,
ob es wirklich passt.
Aber was, wenn genau dort
die Bewegung aufhört?
—
Klarheit wird oft verstanden
als etwas, das man erreicht.
Als Zustand am Ende eines Prozesses.
Als Ergebnis von Denken, Struktur, Entscheidung.
Aber vielleicht ist Klarheit
gar nichts, das entsteht,
wenn alles fertig ist.
Vielleicht zeigt sie sich
viel früher.
In einem Satz,
der sich nicht mehr wegschieben lässt.
In einem Gefühl,
das immer wieder auftaucht.
In einer Richtung,
die sich leise, aber beharrlich hält.
—
Und vielleicht ist das,
was fehlt,
nicht mehr Klarheit.
Sondern weniger Anpassung.
—
Denn zwischen dem,
was sie eigentlich sagen will,
und dem, was am Ende sichtbar wird,
liegt oft kein Mangel.
Sondern ein Filter.
Ein leises Nachjustieren.
Ein „so kann ich das nicht schreiben“.
Ein „so versteht das niemand“.
Ein „so bin ich vielleicht zu viel“.
Und mit jedem dieser Gedanken
verschiebt sich etwas.
Nicht sichtbar.
Aber spürbar.
—
Am Ende ist alles da.
Und doch nicht ganz stimmig.
—
Vielleicht ist Klarheit
nicht das Ergebnis davon,
alles richtig zu machen.
Sondern der Moment,
in dem sie aufhört,
sich selbst abzuschwächen.
—
Nicht lauter zu werden.
Nicht mehr zu erklären.
Sondern das stehen zu lassen,
was längst da ist.
—
Vielleicht ist das der Punkt,
an dem etwas trägt.
Nicht perfekt.
Aber wahr.
—
Und genau dort
beginnt etwas anderes.
Nicht mehr angepasst.
Sondern klar.
— Katarina Marević Schmieder
