Es gibt Phasen im Leben, in denen sich Gestalt verändert.
Nicht plötzlich.
Eher wie ein leiser Umbau.
Etwas wird weicher.
Breiter.
Ausladender.
Nicht nur am Körper.
Auch im Leben.
Wir nennen das dann Ankommen.
Selbstannahme.
Gleichgewicht.
Und vielleicht stimmt das.
Vielleicht stimmt es nicht ganz.
Denn manchmal wächst etwas, weil innen etwas keinen Ort hat.
Nicht als Fehler.
Nicht als Versagen.
Sondern als Versuch.
Ein Körper, der Raum schafft. Eine Gestalt, die schützt. Eine Ausdehnung, die sagt: hier ist Druck.
Wir sprechen von Alter.
Von Stoffwechsel.
Von Gewohnheit.
Und vielleicht sind das nur die Wörter, die wir benutzen, wenn wir nicht weiterfragen wollen.
Was, wenn Zunehmen manchmal kein Scheitern ist, sondern ein Ausdruck?
Nicht moralisch.
Nicht ästhetisch.
Existentiell.
Nicht von kleinen Schwankungen.
Nicht von Jahreszeiten des Körpers.
Sondern von Formen, die über Jahre wachsen, als würden sie etwas tragen müssen, das anders keinen Platz findet.
Was, wenn die Seele nicht gehört wird und beginnt, sich auszudehnen, um gehört zu werden?
Nicht laut.
Nicht dramatisch.
Langsam.
In Zentimetern.
In Jahren.
Viele von uns kommen in der Lebensmitte an einen Punkt, an dem Rollen brüchig werden.
Arbeit verändert sich.
Beziehungen verschieben sich.
Der Körper meldet sich.
Zeit bekommt Gewicht.
Und wir sagen: Ich bin im Reinen.
Vielleicht stimmt das.
Vielleicht ist das nur ein Satz, der uns vor einer anderen Frage schützt.
Wo wird es in mir zu eng?
Wo halte ich etwas zurück, das größer werden will als mein Alltag?
Wo bin ich satt —
und wo nur voll?
Form platzt nicht aus Lust an der Fülle.
Vielleicht platzt sie, weil etwas in uns keinen Raum gefunden hat.
— Katarina Marević Schmieder